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Pflegeeltern berichten

Ding-Dong – es klingelt an der Tür. Unser inzwischen dreijähriger Sohn rennt so schnell er kann zur Tür, sieht das bekannte Auto und schreit: “Hallo Hanne!“

Eine abwechslungsreiche Stunde beginnt: Voller Eifer wird jetzt gespielt, geturnt, gebastelt, gebacken oder irgendetwas anderes Interessantes gemacht. Am Ende wird Hanne voller Erschöpfung verabschiedet; dazu gehört auch das Hupen bei der Abfahrt.

Jetzt dauert es wieder eine Woche bis zum nächsten „Hanne-Termin“. Zwischendurch fragt unser Sohn hin und wieder: “Hanne kommt heute?“ Warum kommt sie seit gut zwei Jahren in unsere Familie?

Unser Sohn kam kurz nach seiner Geburt als Pflegekind in unsere Familie. Aufgrund seiner familiären Vorgeschichte waren Entwicklungsverzögerungen nicht auszuschließen. Was tut man als emotional betroffene Eltern, die nicht über ausreichendes Fachwissen und den notwendigen Abstand bei der objektiven Einschätzung des Entwicklungsstandes verfügen?

Das für uns zuständige Jugendamt verwies uns mit dem Problem an das Gesundheitsamt. Von dort wurde die Frühförderung eingeschaltet, die die notwendige Förderung erkannte. Die Frühförderung für unseren Sohn begann.

Was zunächst wie reine Förderung für das Kind aussah, erwies sich bald auch als große Hilfe für uns Eltern. Wir lernten, die Fähigkeiten unseres Sohnes „kritischer“ zu sehen und bekamen viele Anregungen, nicht altersgemäß entwickelte Fertigkeiten spielerisch zu üben.

Die Förderung entwicklungsverzögerter Kinder ist für alle Familien eine große Aufgabe. Umso schwieriger wird es für Familien, die die Entwicklung ihrer Kinder nicht „von Geburt an“ miterlebt haben: Von den Kindern, die Frühförderung bekommen, lebt ein gar nicht so kleiner Teil in Pflege- und Adoptivfamilien.

Kinder, die aus ihrer Familie herausgenommen werden müssen, sind in der Regel schon älter. Ihre Familien bedürfen fachlich kompetenter Hilfe, denn sie haben von einem auf den anderen Tag ein „neues“ Kind, von dessen Vergangenheit sie oft sehr wenig wissen. Werden Defizite – wie es oft der Fall ist – erst jetzt bekannt, ist häufig schon wertvolle, manchmal nicht mehr aufholbare Zeit verstrichen. Umso wichtiger ist es dann, dass die Frühförderung umgehend einsetzen kann.

Die Frühförderung leistet einen wichtigen Beitrag dafür, diesen Kindern bessere Chancen für ihre Zukunft zu bieten. Danke an die Mitarbeiterinnen der Frühförderung sagen im Namen vieler Pflege- und Adoptivfamilien
Familie L.
Mitglied im APFEL e. V.
(Verein der Adoptiv-, Pflege- und Tagespflegeeltern im Landkreis Aurich)